Die historische Stadtbefestigung von Neuss, einer der ältesten Städte Deutschlands, war einst von einer massiven Mauer mit insgesamt sechs großen Haupttoren umgeben. Heute ist das Obertor das einzige dieser Tore, das noch fast vollständig erhalten ist und als bedeutendes Wahrzeichen der Stadt gilt.
Stadttore
- Niedertor: Es befand sich im Norden der Stadt und bildete den Gegenpart zum Obertor.
- Hamtor: Namensgeber für den heutigen Hamtorwall und den Hamtorplatz. Es war ein wichtiger Zugang aus westlicher Richtung.
- Rheintor: Dieses Tor sicherte den Zugang zum Rhein und zum Hafen.
- Hessentor: Ein weiteres Tor der mittelalterlichen Befestigung, das heute nur noch namentlich in der Stadtgeschichte fortlebt.
- Zolltor: Es lag strategisch günstig für den Warenverkehr und die Zollerhebung.
Obertor
Das letzte erhaltene Tor
Das Obertor ist ein beeindruckendes Beispiel mittelalterlicher
Das Neusser Obertor ist das bedeutendste Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Neuss und gilt als eines der mächtigsten Stadttore im Rheinland. Es wurde um 1250/60 erbaut und ist heute das einzig erhaltene von ursprünglich sechs gewaltigen Torburgen der Stadt.

Historische Bedeutung und Verteidigung
Seine größte historische Bewährungsprobe bestand das Obertor während der Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen (Herzog von Burgund) in den Jahren 1474 bis 1475.
Abwehr: Hier wurden die burgundischen Truppen erfolgreich abgewehrt und strategische Ausfälle der Neusser Bürger unternommen.
Symbolkraft: Das Tor steht sinnbildlich für die Standhaftigkeit der Stadt während der Kölner Stiftsfehde und der Burgunderkriege.
Architektur und Nutzung im Wandel der Zeit
Das Obertor ist eine imposante Anlage, die über die Jahrhunderte verschiedene Funktionen erfüllte:
Festungsbau: Ursprünglich als massive Verteidigungsanlage konzipiert, prägt es bis heute das Stadtbild am südlichen Ende der historischen Altstadt.
Moderne Nutzung: Im 20. Jahrhundert diente es zeitweise anderen Zwecken, etwa ab 1920 als Jugendheim.
Kultur: Heute ist es Teil des Clemens Sels Museums Neuss und beherbergt Ausstellungen zur Stadtgeschichte.
Die Obertorkapelle
Direkt am Obertor befindet sich die Obertorkapelle, die ebenfalls eine lange Geschichte hat:
Obertorkloster: Ab 1865 nutzten Augustinerinnen die Kapelle und das angrenzende Haus als Kloster, Nähschule und Hostienbäckerei.
Ursprung: Eine der Gottesmutter Maria geweihte Kapelle existierte vermutlich schon seit dem 13. Jahrhundert.
Neubau: Der heutige Backsteinbau stammt aus den Jahren 1712/13, nachdem der alte Bau baufällig geworden war.
Legende: Während der Belagerung 1474 sollen Kanonenkugeln mit Nachrichten der kaiserlichen Entsatztruppen in die Stadt geflogen sein, während der Bürgermeister in der Kapelle um Errettung betete.
Heute wird die Kapelle von der Pfarrgemeinde St. Quirin betreut und durch einen Förderverein für die Zukunft erhalten.
Die ehemaligen Stadttore
Neben dem Obertor gab es fünf weitere Haupttore:
Niedertor
Das Niedertor war eines der fünf historischen Haupttore der mittelalterlichen Neusser Stadtbefestigung. Es befand sich im Norden der Altstadt und prägte über Jahrhunderte das Stadtbild, bevor es im 19. Jahrhundert fast vollständig verschwand.
Historische Bedeutung und Bauweise
Nordzugang der Stadt: Das Niedertor sicherte den Zugang zur Stadt aus Richtung Norden (Düsseldorf/Krefeld). Der Name leitet sich von seiner Lage am „niederen“ Ende der Stadt ab, im Gegensatz zum heute noch erhaltenen Obertor, das den südlichen Zugang schützte
Architektur: Es handelte sich um eine massive Wehranlage. Ähnlich wie die anderen Stadttore (Hamtor, Rheintor und Hessentor) bestand es aus einem Torturm und meist vorgelagerten Verteidigungswerken (Barbakanen)
Belagerung und Zerstörung
Belagerung von Neuss (1474/75): Während der berühmten Belagerung durch Karl den Kühnen war das Niedertor ein strategisch entscheidender Punkt. Es wurde schwer beschossen, hielt den Angriffen jedoch stand, was zum Scheitern der Belagerung beitrug.
Abriss im 19. Jahrhundert: Wie viele mittelalterliche Wehranlagen wurde das Niedertor im 19. Jahrhundert (ca. 1840er Jahre) abgebrochen. Der Grund war der zunehmende Verkehr und die damals moderne Stadtplanung, die die engen Tore als Hindernis ansah.
Heutige Spuren
Kuriosität: An einem Gebäude in der Nähe (Ecke Niederstraße) finden sich zwei Steinfiguren – Köpfe eines Müllers und seiner Frau. Sie erinnern an die einstige Bedeutung des Viertels für das Handwerk und die Nähe zum Wasser (Oberer/Unterer Graben)
Standort: Das Tor befand sich im Bereich der heutigen Kreuzung Niedertor / Niederstraße.
Kuriosität: An einem Gebäude in der Nähe (Ecke Niederstraße) finden sich zwei Steinfiguren – Köpfe eines Müllers und seiner Frau. Sie erinnern an die einstige Bedeutung des Viertels für das Handwerk und die Nähe zum Wasser (Oberer/Unterer Graben)
Visualisierung: Heute erinnern oft nur noch Straßennamen oder Infotafeln des Stadtarchivs Neuss an die exakte Lage der ehemaligen Festungsbauten.
Hamtor

Das Hamtor war neben dem Niedertor eines der fünf großen Stadttore der mittelalterlichen Neusser Befestigung. Es lag im Westen der Stadt und sicherte den Zugang aus Richtung Aachen und Köln.
Geschichte und Architektur
Belagerung 1474/75: Während der Belagerung durch Karl den Kühnen war das Hamtor heftig umkämpft. Die Neusser Verteidiger leisteten auch hier erbitterten Widerstand gegen die burgundischen Truppen.
Westtor der Stadt: Es bildete den Abschluss der Hamstraße und war ein wichtiger strategischer Punkt für den Fernhandel.
Bauweise: Das Tor bestand aus einem mächtigen Hauptturm und war durch vorgelagerte Verteidigungsgräben und Mauern geschützt. Es war Teil des inneren Befestigungsrings, der Neuss zu einer der am besten gesicherten Städte am Niederrhein machte.
Das Ende des Hamtors
- Abriss: Ähnlich wie das Niedertor wurde das Hamtor im 19. Jahrhundert (um 1844) abgerissen. Die Stadtmauer und die Tore wurden damals als Hindernis für die industrielle Ausdehnung und den wachsenden Verkehr betrachtet.
- Archäologische Funde: Bei Bauarbeiten im Bereich des ehemaligen Tores wurden in der Vergangenheit Fundamente und Reste der alten Stadtmauer freigelegt.
Spuren in der heutigen Stadt
- Hamtorplatz & Hamtorwall: Heute erinnern vor allem die Straßennamen an das ehemalige Tor. Der Hamtorplatz markiert den ungefähren Standort des früheren Bauwerks.
- Stadtmauerreste: Am Hamtorplatz sind heute noch Originalreste der mittelalterlichen Stadtmauer sichtbar, die in die moderne Bebauung integriert wurden und als historisches Denkmal dienen.
- Gastronomie & Kultur: Der Name lebt in lokalen Institutionen wie dem traditionsreichen „Hamtorkrug“ oder dem „Hamtor Garden“ weiter, die das historische Erbe im Viertel präsent halten.
Das Rheintor
Heutige Spuren: Eine Informationstafel der Stadt Neuss markiert heute den ehemaligen Standort.
Das Rheintor war eines der bedeutendsten Tore, da es den direkten Zugang zur wirtschaftlichen Lebensader der Stadt, dem Rhein, kontrollierte.
Funktion: Es beherrschte die Ausfallstraße nach Nordosten und diente als Hauptumschlagplatz für Waren, die per Schiff ankamen.
Bedeutungsverlust: Ursprünglich lag das Tor unmittelbar am Fluss. Durch die natürliche Verlagerung des Rheinbettes nach Osten verlor es jedoch seine direkte Lage am Wasser, blieb aber als repräsentativer Zugang wichtig.
Das Zolltor
Das Zolltor befand sich im Süden der Stadt und gab dem umliegenden Viertel seinen Namen.
- Namensgebung: Der Name leitet sich von seiner Funktion als Ort der Zollerhebung ab. Hier mussten Händler, die Waren in die Stadt brachten, die fälligen Abgaben entrichten.
- Viertel: Das „Zolltorviertel“ entwickelte sich später zu einem eigenständigen Bereich der Stadtgeschichte, der eng mit dem Handel und der Verwaltung verbunden war.
Das Hessentor
Das Hessentor lag im nordwestlichen Bereich der Stadtmauer.
Strategische Lage: Es sicherte die Stadt in Richtung der umliegenden Regionen ab. Wie die anderen Tore war es massiv aus Stein (Basalt und Tuff) errichtet, um Belagerungen standzuhalten.
Abbruch: Wie fast alle Neusser Tore (außer dem Obertor) fiel es dem Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert zum Opfer, als die engen Tore für den modernen Verkehr und die Ausdehnung der Wohngebiete als Hindernis angesehen wurden.
Historischer Kontext
Die Tore waren Teil eines ausgeklügelten Verteidigungssystems aus dem 13. Jahrhundert, das Neuss zu einer der am besten befestigten Städte im Rheinland machte. Besonders bekannt ist die erfolgreiche Abwehr der burgundischen Truppen unter Karl dem Kühnen im Jahr 1474/75, bei der die Stadttore eine entscheidende Rolle spielten.
