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Sakrale Schätze – Innenstadt:
Bauten und -Mahnmale.
Mack-Kapelle im Marianum

Die Mack-Kapelle im ehemaligen Collegium Marianum in Neuss gilt als ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von sakraler Tradition und moderner Lichtkunst.
Entstehung und Bedeutung
- Künstlerisches Gesamtwerk: Die Marienkapelle wurde 1988 von dem weltweit bekannten Lichtkünstler Heinz Mack, einem Mitbegründer der einflussreichen Künstlergruppe ZERO, im Auftrag des Erzbistums Köln komplett neu gestaltet.
- Historischer Rahmen: Die Kapelle befindet sich im ersten Obergeschoss des 1908 erbauten neubarocken Gebäudes des ehemaligen „Notburgahauses“, das später als Priesterseminar (Collegium Marianum) diente.
Künstlerische Gestaltung
Heinz Mack schuf hier ein harmonisches Zusammenspiel aus Form, Farbe und Licht:
- Licht und Farbe: Der Raum ist durch klare Linien und eine bewusste Lichtführung geprägt, die typisch für Macks ZERO-Ästhetik ist – die „Stunde Null“ als hoffnungsvoller Neuanfang.
- Zentrale Elemente: Zu den wichtigsten Werken in der Kapelle gehören der markante Kreuzweg sowie die Altarraumgestaltung, die den Raum in ein besonderes spirituelles Licht tauchen.
- Architektur: Die moderne Innengestaltung steht in einem spannenden Kontrast zur historischen Hülle des neubarocken Ostflügels.
Heutige Nutzung
Besichtigungen: Nachdem das Marianum in Wohnungen umgewandelt wurde, blieb die Kapelle als geschütztes Kunstdenkmal erhalten. Sie gehört heute der Neusser Bauverein GmbH.
Förderverein: Der Freundes- und Förderkreis der Mack-Kapelle Marianum Neuss e.V. kümmert sich um den Erhalt und macht das „Geheimtipp“-Kleinod durch Führungen, Konzerte und Gottesdienste der Öffentlichkeit zugänglich.
Evangelische Christuskirche


Die Evangelische Christuskirche in Neuss gilt als die „Mutterkirche“ der Protestanten in der Stadt. Sie wurde ab 1904 auf einem ehemaligen Friedhof an der Breite Straße errichtet und markierte das Ende der provisorischen Unterkünfte für die wachsende Gemeinde.
Architektur und Baugeschichte
Entwurf und Stil: Die Kirche wurde vom Architekten Moritz Korn im neoromanischen Stil entworfen. Der Bau folgt dem Eisenacher Regulativ, das damals maßgebliche Richtlinien für den evangelischen Kirchenbau vorgab.
Bauzeit: Die Grundsteinlegung erfolgte 1904, und am 26. September 1906 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht.
Baumaterial: Das Gebäude besteht aus massiven Natursteinquadern.
Grundriss: Es handelt sich um eine Emporenkirche über einem kreuzförmigen Grundriss mit einer runden Chorapsis.
Markante Merkmale
- Asymmetrische Türme: Besonders auffällig sind die ungleichen Zwillingstürme:
- Südturm: Der Hauptturm ist viergeschossig, erreicht eine Höhe von 61 Metern und trägt ein Helmdach.
- Nordturm: Der kleinere Turm ist dreigeschossig, 31 Meter hoch und schließt mit einem achteitigen Giebel ab.
- Christusstatue: Am Haupteingang des Südturms steht auf einem Pfeiler eine 1,85 Meter hohe Christusfigur. Sie wurde vom Neusser Künstler Paul Kernchen geschaffen und ist von Bertel Thorvaldsens berühmter Statue in Kopenhagen inspiriert.
- Fassade: Die Bogenportale sind teilweise mit kunstvollen Blumenmotiven im Jugendstil verziert.
Ausstattung und Geschichte
- Orgel: Die erste Orgel wurde 1906 von der Firma Walcker geliefert (Opus 1311). Ein radikaler Umbau im Jahr 1937 veränderte ihren ursprünglich spätromantischen Charakter hin zu einem eher scharfen, neobarocken Klangbild.
- Gemeindegeschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde durch Flüchtlingsströme so stark an, dass weitere Kirchen in den Stadtteilen gebaut werden mussten. 1964 kam es schließlich zur Teilung der Gemeinde, wobei die Innenstadtgemeinde den Namen Evangelische Christuskirchengemeinde Neuss erhielt.
- Denkmalschutz: Die Kirche ist als bedeutendes Zeugnis der Stadtbaugeschichte denkmalgeschützt.
Heilige Dreikönigen Kirche


Die Dreikönigenkirche in Neuss ist ein architektonisches Juwel, das vor allem für seine revolutionären Glasfenster und die Beteiligung berühmter Baumeister bekannt ist.
Baugeschichte und Architektur
Die Kirche wurde als Reaktion auf das starke Bevölkerungswachstum im Neusser Süden geplant.
Grundsteinlegung & Bau: Der Bau begann am 7. November 1909 nach Entwürfen des Kölner Architekten Eduard Endler. Die Fertigstellung und Benediktion erfolgten bereits zwei Jahre später, am 31. Oktober 1911.
Architekturstil: Das Gebäude ist eine dreischiffige Basilika auf einem Kreuzgrundriss. Es vereint Elemente der Neugotik und Neurenaissance mit Einflüssen des Jugendstils.
Besonderheit des Turms: Ungewöhnlicherweise steht der markante Turm mit seiner Haube nicht im Westen, sondern im Winkel zwischen dem südlichen Querhaus und dem Chor.
Wiederaufbau durch die Familie Böhm
Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg, die insbesondere die Gewölbe betrafen, prägten zwei der bedeutendsten Kirchenbaumeister Deutschlands das heutige Erscheinungsbild:
Dominikus und Gottfried Böhm: Vater und Sohn zogen im Hauptschiff und Chor neue, „hängende“ Gewölbe ein.
Farbgestaltung: Diese modernen Gewölbeformen wurden 1962 von Gerhard Kadow in feierlichen Gold- und Silberfarben gestaltet.
Besonderheiten
Die berühmten Prikker-Fenster
Die überregionale Bedeutung der Kirche rührt vor allem von den Glasfenstern des niederländischen Künstlers Jan Thorn Prikker her.
Ein Skandal seiner Zeit: Der damalige Rektor Joseph Geller vergab den Auftrag 1911 heimlich, da die moderne Kunst in kirchlichen Kreisen umstritten war. Das Generalvikariat suspendierte Geller zeitweise wegen dieser Eigenmächtigkeit.
Stilepochen:
Chor & Querschiff (1911/1919): Figürliche Darstellungen im Stil des frühen Expressionismus und Jugendstils.
Langhaus (1929): Spätere Fenster, die den Wandel des Künstlers hin zur Abstraktion und Geometrie zeigen.
Kunstschätze und Moderne
Neben der Architektur beherbergt die Kirche weitere bedeutende Kunstwerke:
Historische Stücke: Ein Holzrelief der Heiligen Drei Könige aus dem 16. Jahrhundert.
Klassische Moderne: Werke von Hubert Dinnendahl (Kreuzgruppe) und Ruth Schaumann (Madonna) aus den 1930er/40er Jahren.
Gegenwartskunst: Seit Anfang 2026 bereichern moderne Lichtinstallationen der Künstlerin Jenny Alaya den Kirchenraum, insbesondere in der Taufkapelle.
