Sakrale Schätze: Wo Architektur Geschichte erzählt – Einzigartige Einblicke in historische Bauten und Mahnmale.
Sakrale Schätze – Innenstadt: Bauten und -Mahnmale.
Bedeutende Kirchen in der Innenstadt
Neuss beheimatet eine Vielzahl bedeutender historischer Sakralbauten, allen voran das spätromanische Quirinus-Münster, das als Wahrzeichen der Stadt gilt. Die Gebäude spiegeln verschiedene Epochen von der Romanik bis zur Neugotik wider und prägen bis heute das Stadtbild.
Quirinus-Münster (Basilica minor)

Das zwischen 1209 und 1230 errichtete Quirinus-Münster ist eines der bedeutendsten Beispiele der rheinischen Spätromanik. Besonders markant ist die barocke Kuppel des Ostturms mit dem Standbild des Stadtpatrons St. Quirinus.
St. Marien

Historie
- Standort: Neuss, Marienkirchplatz 30
- Bau und Archietektur: 1899–1902 (Eröffnung nach Wiederaufbau: 1950)
Diese neugotische Basilika wurde von 1900 bis 1902 erbaut. Ihr Turm ist mit knapp 80 Metern einer der höchsten Punkte in der Neusser Silhouette.
Architekt Julius Busch - Besonderheit: Fenster von Emil Wachter und größte Kirche in der Innenstadt.
St. Sebastianus

Historie
- Standort: Neuss, Niederstraße
- Bau und Archietektur: 1718 bis 1720 . Wiederaufbau 1950er.
Als Franziskanerklosterkirche errichtet, ist sie heute die einzige weitgehend erhaltene Barockkirche der Altstadt. - Besonderheit: Klosterkirche in der Innenstadt.
Obertorkapelle


Direkt an das Neusser Obertor angrenzend steht eine kleine Kapelle, die Obertorkapelle, die im Neusser Jargon auch „Overpootz-Kapellche“ genannt wird. Ein kleiner Ruhepol mit tiefer historischer Verwurzelung in der Stadtbefestigung.
Historie
- 1711 wurde die Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen
- 1712 und 1713 ein Nachbau an der gleichen Stelle zwischen
- 1715 – bestellte die Bruderschaft einen neuen Altar mit einem Altarstein aus Königswinterer Stein bei einem Meister Johannes Schroers
- 1717 – Restauration des Muttergottesbild
- 1728/29 – erhielt die Kapelle zwei neue farbige Glasfenster: eins mit der Schmerzhaften Mutter, das andere mit dem Neusser Stadtwappen
- 1737 – für ein weiteres Fenster wurde die Kapellenmauer neben dem Eingang durchbrochen.
- Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kapelle schwer beschädigt
- 2. April 1949 – Weihe der wiederhergestellten Kapelle nahm Kardinal Frings vor
Die alte Synagoge
Ein Ort des Gedenkens, der virtuell wieder lebendig wird: Die ehemalige Synagoge an der Promenadenstraße. Auch wenn das prachtvolle Gebäude 1938 zerstört wurde, bleibt es ein untrennbarer Teil der Neusser Identität. In unserer virtuellen Tour machen wir Geschichte sichtbar und geben diesem verlorenen Wahrzeichen wieder einen festen Platz im Stadtbild.

Die Geschichte
Die Geschichte der Alten Synagoge in Neuss reicht von ihrer feierlichen Einweihung als prächtiges orientalisches Bauwerk bis zu ihrer gewaltsamen Zerstörung während der Novemberpogrome 1938.

Bau und Architektur (1867)
Nachdem die jüdische Gemeinde in Neuss lange Zeit nur über eine kleine Betstube verfügt hatte, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts der Wunsch nach einem repräsentativen Gotteshaus.
- Einweihung: Die Synagoge an der Promenadenstraße wurde am 29. März 1867 feierlich eingeweiht. Die Stadt Neuss beteiligte sich mit 2.000 Talern an den Baukosten.
- Architekt: Der Entwurf stammte vom preußischen Baurat Friedrich Weise (1801–1874).
- Stil: Das Gebäude war im orientalischen Stil gehalten und verfügte über eine helle, rötliche Steinfassade, vier markante Zwiebeltürme und einen vergoldeten Davidstern auf der Kuppel.
- Besonderheit im Innenraum: Ungewöhnlich für die damalige Zeit gab es keine klassische Frauenempore; Männer und Frauen saßen stattdessen durch den Mittelgang getrennt voneinander.
Die Zerstörung (1938–1941)
Das Ende des Bauwerks wurde durch den organisierten Terror der Nationalsozialisten eingeleitet.
Einzelschicksal: Berichten zufolge wurde der pflegebedürftige Aron Heumann, der neben der Synagoge wohnte, von SA-Männern gezwungen, den Gehsteig vor der rauchenden Ruine unter Misshandlungen zu säubern.
Die Pogromnacht: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Männer aus Neuss und Düsseldorf in das Gebäude ein.
Der Brand: Nachdem die Innenräume verwüstet worden waren, wurde die Synagoge mit Benzin, das der Führer der Neusser NS-Ärzteschaft organisiert hatte, in Brand gesteckt und brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Endgültiger Abriss: Die verbliebene Ruine wurde schließlich im Jahr 1941 vollständig abgetragen.
Heutiges Gedenken
Die Alte Synagoge – Ein verlorenes Wahrzeichen
Ein Ort des Gedenkens, der in unserer virtuellen Tour wieder sichtbar wird: Die ehemalige Synagoge an der Promenadenstraße. 1867 im prächtigen orientalischen Stil erbaut, war sie mit ihren markanten Zwiebeltürmen über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Neusser Stadtbildes.
In unserer Übersicht geben wir diesem zerstörten Bauwerk seinen Platz im Stadtbild zurück, um die Erinnerung an das jüdische Leben in Neuss lebendig zu halten. Wer den Ort heute besucht, findet dort das Mahnmal des Künstlers Ulrich Rückriem, das seit 1995 ein eindrucksvolles Zeichen gegen das Vergessen setzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die alte Synagoge war in Neuss das einzige Gotteshaus, das nicht durch Kriegseinwirkungen, sondern durch den gezielten ideologischen Vernichtungswillen der Nationalsozialisten zerstört wurde.
Sakrale Schätze. Teil 2 folgt in kürze!
