Raketenstation und Museum Insel-Hombroich
Raketenstation
Die Raketenstation Hombroich in Neuss-Holzheim ist ein faszinierendes Beispiel für die Transformation eines militärischen Areals in einen Ort der Kunst und Kultur. Sie ist Teil des Ensembles der Stiftung Insel Hombroich und bietet eine einzigartige Verbindung aus Geschichte, moderner Architektur und Natur.

Historischer Wandel: Vom Kalten Krieg zur Kunst
Ursprünglich diente das etwa 13 Hektar große Gelände ab den 1960er Jahren als NATO-Raketenstation (Launch Section) für Flugabwehrraketen vom Typ Nike Hercules. Nach der Stilllegung im Jahr 1992 erwarb der Düsseldorfer Kunstmäzen Karl-Heinrich Müller das Areal 1994, um es als Experimentierfeld für Kunstprojekte und alternative Lebensformen zu nutzen.
Architektur und Nutzung
Das Gelände zeichnet sich durch eine Mischung aus erhaltenen Militärbauten und modernen architektonischen Skulpturen aus:
Wachhaus: Das ehemalige Wachgebäude wird heute für wechselnde Ausstellungen genutzt, wie etwa für Arbeiten von Karla Kleinschmidt.
Architektur-Pool: Namhafte Architekten wie Tadao Ando, Alvaro Siza, Raimund Abraham und der Bildhauer Erwin Heerich gestalteten das Areal um.
Wohn- und Arbeitsstätten: Die Raketenstation dient heute als Rückzugsort und Atelier für internationale Künstler, Literaten und Wissenschaftler.
Langen Foundation: In unmittelbarer Nähe befindet sich das von Tadao Ando entworfene Ausstellungsgebäude der Langen Foundation, das durch seine Beton-Glas-Architektur besticht.

Besonderheiten für Besucher
- Landschaft: Das Gelände liegt auf einem landwirtschaftlich genutzten Plateau und bietet weite Ausblicke sowie eine ruhige, meditative Atmosphäre.
- Kulinarik: Das Café Kischken bietet Besuchern eine Einkehrmöglichkeit direkt auf der Raketenstation.
- Zugänglichkeit: Im Gegensatz zum Museum Insel Hombroich, das als geschlossener Park konzipiert ist, ist die Raketenstation weitgehend frei begehbar, wobei die Privatsphäre der dort arbeitenden Künstler zu respektieren ist.
Wichtige Informationen
- Adresse: Raketenstation Hombroich, 41472 Neuss.
- Öffnungszeiten: Täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr (Gelände).
- Eintritt: Der Zugang zum Außengelände der Raketenstation ist in der Regel kostenfrei, während für Museen wie die Langen Foundation separate Eintrittspreise gelten.

Museum Insel-Hombroich
Das Museum Insel Hombroich ist das Herzstück der Stiftung und folgt dem radikalen Motto „Kunst parallel zur Natur“. Während die Raketenstation eher karg und weitläufig wirkt, ist die „Insel“ eine verwunschene, renaturierte Auenlandschaft, in der Kunst, Architektur und Natur zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen.
Das Konzept: Ein Museum ohne Schilder
Das Besondere an Hombroich ist der Verzicht auf jegliche Didaktik. Es gibt keine Hinweisschilder, keine Erklärtexte neben den Kunstwerken und keine Absperrungen. Der Besucher soll die Kunst unmittelbar und intuitiv erleben.
Die Highlights der Insel
Das rund 21 Hektar große Areal an der Erft gliedert sich in verschiedene Bereiche:
- Die begehbaren Skulpturen: Der Bildhauer Erwin Heerich entwarf elf Pavillons aus Abbruchziegeln. Diese Gebäude sind selbst Kunstwerke – minimalistische, fensterlose oder lichtdurchflutete Räume, die meist nur ein Thema oder einen Künstler beherbergen.
- Die Sammlung: In den Pavillons findest du eine hochkarätige Mischung aus archaischer Kunst (z. B. chinesische Ritualobjekte), Werken der Moderne (Hans Arp, Kurt Schwitters, Alexander Calder) und zeitgenössischer Kunst.
- Das Labyrinth: Eines der markantesten Gebäude von Heerich, das den Besucher durch schmale Gänge und wechselndes Licht führt.
- Die Cafeteria: Ein zentraler Treffpunkt, an dem die Verpflegung im Eintrittspreis enthalten ist. Es gibt einfache, regionale Speisen wie Pellkartoffeln mit Quark, Brot, Äpfel und Wasser – ganz im Sinne der Schlichtheit des Ortes.
Natur und Landschaft
Das Gelände war ursprünglich eine landwirtschaftliche Fläche und wurde unter der Leitung des Landschaftsplaners Bernhard Korte in eine wilde Auenlandschaft zurückverwandelt. Du wanderst über unbefestigte Pfade, durch hohes Gras, vorbei an Teichen und alten Kopfweiden. Die Natur darf sich hier weitgehend frei entfalten.
Praktische Tipps für deinen Besuch
Eintritt: Im Gegensatz zur Raketenstation ist die Insel eintrittspflichtig (Tickets beinhalten oft die Verpflegung in der Cafeteria).
Zeit einplanen: Du solltest mindestens 3 bis 4 Stunden mitbringen, um die Stille und die Wege wirklich genießen zu können.
Festes Schuhwerk: Da die Wege naturbelassen sind, können sie bei Regen matschig sein.
Fotografie: Fotografieren ist auf dem Gelände erlaubt, jedoch meist nur für private Zwecke. In den Pavillons herrscht oft ein besonderes Licht- und Schattenspiel.
