Die Verehrung des Heiligen Quirinus von Neuss ist das Herzstück der Stadtidentität und hat Neuss im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas gemacht.

Quirinus
Verehrung des Heiligen Quirinus von Neuss
1. Der Ursprung:
Wer war Quirinus?
Quirinus war ein römischer Tribün und Märtyrer, der im 2. Jahrhundert unter Kaiser Hadrian hingerichtet wurde. Er bekehrte sich zum Christentum, nachdem er die Wunder des Heiligen Alexander miterlebt hatte. Seine Reliquien gelangten um das Jahr 1050 als Geschenk von Papst Leo IX. an seine Schwester Gepa, die Äbtissin des Neusser Benediktinerinnenklosters, nach Neuss.
2. Zentrum der Verehrung:
Die Basilika St. Quirinus, erbaut zwischen 1209 und 1230, ist das markanteste Denkmal dieser Verehrung.
- Der Schrein: Die Reliquien ruhen in einem kostbaren Schrein im Hochchor.
- Die Kuppelfigur: Weithin sichtbar thront eine vergoldete Statue des Heiligen als römischer Ritter auf der Kuppel des Ostturms.

Der Schrein des heiligen Quirinus im Münster der Stadt Neuss ist das Ziel vieler Pilger.
3. Jährliche Höhepunkte
Die Verehrung wird durch feste Traditionen lebendig gehalten:
- Quirinus-Tag (30. April): Der Gedenktag des Heiligen wird in Neuss besonders festlich begangen.
- Quirinus-Oktav: Eine achttägige Festwoche rund um den 30. April mit täglichen Gottesdiensten, Pilgergruppen und kulturellen Veranstaltungen.
- Wallfahrt: Im Mittelalter pilgerten Menschen aus ganz Europa nach Neuss, da Quirinus als einer der Vier Heiligen Marschälle galt, denen man eine besonders starke Fürbitte bei Gott zuschrieb.
4. Schutzpatron gegen Leiden
Quirinus wird traditionell um Hilfe bei spezifischen Krankheiten angerufen.
Patronat: Er ist zudem der Schutzpatron der Ritter, Pferde und Rinder.
Körperliche Leiden: Bein- und Fußleiden, Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Geschwüre.
Seuchen: Schutz gegen die Pest und Pocken.
5. Der Quirinusbrunnen
Nahe dem Münster befindet sich der Quirinusbrunnen, dessen Wasser früher Heilkraft – besonders für Augen- und Hautleiden – zugeschrieben wurde.

– Die Statue des heiligen Quirinus wacht auf der Kuppel des Neusser Münsters über die Stadt. –
Schreinprozession
Das jährliche die Schreinprozession ist der spirituelle Höhepunkt der Quirinus-Oktav in Neuss. Dabei werden die Reliquien des Stadtpatrons in einer feierlichen Zeremonie aus dem Münster durch die historische Altstadt getragen.
Ablauf und Tradition
Die Schreinprozession bildet traditionell den Abschluss der Festwoche
Der Schrein: Es wird nicht der ursprüngliche mittelalterliche Schrein getragen, sondern ein neugotisches Prachtstück aus dem 19. Jahrhundert, das die Gebeine des Heiligen enthält.
Träger: Der schwere Schrein wird von Mitgliedern der Bürgergesellschaft zu Neuss oder anderen kirchlichen Bruderschaften auf den Schultern getragen.
Wegstrecke: Die Prozession führt meist über den Münsterplatz und den Freithof, begleitet von Gläubigen, Bruderschaften, Musikkapellen und oft hohen kirchlichen Würdenträgern (wie dem Erzbischof von Köln).
Termine und Feierlichkeiten
Das Ereignis findet rund um den Gedenktag des Heiligen (30. April) statt:
Zeitraum: Die Oktav beginnt meist Ende April und dauert neun Tage.
Prozession: In der Regel findet das Austragen am letzten Sonntag der Oktav oder direkt am 30. April nach einem feierlichen Pontifikalamt statt.
Abschluss: Nach der Rückkehr ins Münster wird der Schrein wieder an seinen Ehrenplatz im Hochchor gehoben, gefolgt von einem geselligen Beisammensein der Gemeinde auf dem Münsterplatz.
Bräuche
Während der Prozession und der gesamten Quirinus-Oktav gibt es einige Bräuche, die tief in der Neusser Tradition verwurzelt sind:
1. Das „Schreintragen“ als Ehrendienst
Den schweren, neugotischen Schrein zu tragen, gilt als große Ehre. Dies übernehmen traditionell die „Schützenlust“ oder Mitglieder der Bürgergesellschaft. Die Träger tragen dabei oft festliche Anzüge oder Uniformen, was die enge Verbindung zwischen Kirche und dem Neusser Schützenwesen zeigt.
2. Das Quirinus-Lied
Ein Gänsehaut-Moment ist das gemeinsame Singen des Quirinus-Liedes: „Heiliger Quirinus, Schutzpatron“. Wenn hunderte Gläubige im Münster oder auf dem Freithof einstimmen, ist das der emotionale Kern der Verehrung.
4. Das „Quirinus-Wasser“
Pilger füllen sich am Quirinusbrunnen Wasser ab. Früher wurde es rituell über kranke Gliedmaßen gegossen oder getrunken. Auch heute noch ist der Brunnen während der Oktav ein Treffpunkt für Pilgergruppen, die oft von weit her (z. B. aus den Niederlanden) anreisen.
5. Die „Quirinus-Puppe“ und Gebäck
In manchen Bäckereien gibt es zur Festzeit spezielles Gebäck. Historisch gab es auch kleine Votivgaben aus Wachs oder Metall in Form von Körperteilen (Beine, Augen), die als Dank für Heilungen am Schrein abgelegt wurden.
Voraussichtliche Termine 2026
In diesem Jahr (2026) findet die Quirinus-Oktav voraussichtlich in der Woche um den 30. April statt. Da der 30. April 2026 ein Donnerstag ist, ist der darauffolgende Sonntag der wahrscheinlichste Termin für die große Schreinprozession.
Beginn der Oktav: Voraussichtlich am Samstag, den 25. April 2026.
Quirinustag (Hochfest): Donnerstag, der 30. April 2026.
Schreinprozession: Voraussichtlich am Sonntag, den 3. Mai 2026.
Es lohnt sich, kurz vor Beginn der Festwoche die offiziellen Bekanntmachungen der Kirchengemeinde St. Quirinus zu prüfen, da das detaillierte Programm mit Gastpredigern und genauen Uhrzeiten meist erst im Frühjahr veröffentlicht wird.
