Neusser Rathaus
Das Neusser Rathaus am Markt ist nicht nur das administrative Zentrum der Stadt, sondern auch ein Gebäude mit einer bewegten Geschichte, die eng mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verknüpft ist.

– Neusser Stadtwappen –
Geschichte und Architektur
Wiederaufbau: Das heutige Rathaus wurde nach vierjähriger Bauzeit am 26. August 1954 eingeweiht. Da das alte Rathaus im Krieg fast vollständig zerstört wurde, entschied man sich für einen modernen Neubau, der jedoch historische Elemente integriert.
Historischer Kern: Ein besonderes Merkmal ist, dass Teile der alten Bausubstanz und historische Kellergewölbe in den Neubau einbezogen wurden, was die Beständigkeit der Stadtgeschichte symbolisiert.
Architektonische Bedeutung: Es gilt heute als ein bedeutendes Beispiel der Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen und ist als solches in der Datenbank baukunst-nrw gelistet.
Verwaltung und Bürgerservice
- Sitz der Stadtverwaltung: Rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Neuss sind hier und in den zugehörigen Außenstellen tätig, um die kommunalen Aufgaben für die Bürger zu erfüllen.
- Zentrale Anlaufstelle: Das Rathaus beherbergt den Bürgerservice und das Bürgeramt, wo Angelegenheiten wie Meldebescheinigungen oder Wahlen bearbeitet werden.
- Politisches Herz: Es ist der Tagungsort des Stadtrates und Sitz des Bürgermeisters.
Historische Keller
Die historischen Keller des Neusser Rathauses sind faszinierende Zeugen der Stadtgeschichte, die sogar die massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überdauert haben.
Einblicke in die Unterwelt des Marktes
- Historische Kontinuität: Während die oberirdischen Teile des Rathauses nach 1944 fast vollständig neu errichtet werden mussten, blieben die alten Gewölbekeller erhalten. Sie stammen teilweise aus dem 17. Jahrhundert (vom Renaissance-Bau der Jahre 1634–1638) und integrieren sogar noch ältere mittelalterliche Strukturen.
- Der „Kulturkeller“: Ein Teil dieser historischen Substanz wird heute als Kulturkeller genutzt. Dieser befindet sich zwar streng genommen in den Gebäuden der nahen Oberstraße, ist aber eng mit dem architektonischen Erbe der historischen Kernstadt verknüpft und dient als atmosphärischer Ort für Konzerte, Kleinkunst und Theater.
- Archäologische Schätze: Bei Grabungen im Umfeld des Marktes und unter dem Rathaus wurden immer wieder Spuren aus der Römerzeit (Novaesium) entdeckt. Die Stadt nutzt diese Keller heute teils als Lager oder technische Räume, öffnet sie jedoch gelegentlich für die Öffentlichkeit
Besichtigungsmöglichkeiten
- Tag des offenen Denkmals: Das Rathaus mit seinen historischen Kellergewölben ist regelmäßig Teil des Tags des offenen Denkmals. An diesem Tag haben Bürger oft die seltene Chance, die sonst nicht frei zugänglichen Untergeschosse zu besichtigen.
- Führungen: Die Tourist Information Neuss in den Rathausarkaden bietet thematische Stadtführungen an, die teilweise auch Bezug auf die unterirdische Geschichte des Marktplatzes nehmen.
Vorgängerbauten
Die Geschichte der Neusser Rathausgebäude ist geprägt von stetiger Erweiterung und einem katastrophalen Einschnitt im Zweiten Weltkrieg. Bevor das heutige Gebäude 1954 eingeweiht wurde, prägten verschiedene Vorgängerbauten das Bild am Markt.
Die historischen Vorgängerbauten
- Mittelalterliches Rathaus: Das erste nachweisbare Rathaus stand bereits im Mittelalter an der Ecke Markt/Krämerstraße.
- Renaissance-Bau (1634–1638): In den 1630er Jahren entstand ein repräsentativer Neubau im Stil der Renaissance. Von diesem Gebäude sind heute noch die historischen Kellergewölbe erhalten, die in das moderne Rathaus integriert wurden.
- Klassizistische Umgestaltung: Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Fassade dem Zeitgeschmack angepasst. Um 1920 präsentierte sich das Rathaus mit einer imposanten klassizistischen Fassade zum Markt hin.
- Erweiterungen: Aufgrund des Wachstums der Stadt wurde das Rathaus 1909/10 um einen Verwaltungsbau in Richtung Michaelstraße erweitert.
Die Zerstörung 1944
Das historische Ensemble am Markt fand am 31. Dezember 1944 ein jähes Ende. Bei einem schweren Bombenangriff wurden das alte Rathaus sowie sämtliche Nebengebäude – darunter auch die angrenzende städtische Sparkasse – völlig zerstört. Lediglich die massiven Fundamente und Keller überstanden die Katastrophe.
Der Weg zum heutigen Rathaus
Nach dem Krieg war der Neubau hochumstritten, da er deutlich größer geplant war als seine Vorgänger.
- Wettbewerbe: Es gab zwei Architekturwettbewerbe, doch letztlich wurde der Entwurf von Friedrich Fasbender umgesetzt, der „außer Konkurrenz“ eingereicht worden war.
- Bauzeit: Der Bau dauerte von 1950 bis 1954.
- Gedenken: Seit 1974 erinnert eine Bronzetafel unter den Arkaden an die Architektur und das Schicksal der historischen Vorgängerbauten.

Inschriftentafel am Rathaus
Moderne Inschriftentafel mit 2 Chronogrammen auf 1635 und 1586 am Neusser Rathaus: IVstItIa et pIetate DoMVs eXstrVCta resVrgIt [= MDC X 4xV 5xI = 1635, Rathausneubau] qVaM VIs et fVror InsoLItI DestrVXerat IgnIs [MD L X 4xV 6xI = 1586, Stadtbrand]
