Alte Post
Die Geschichte der Alten Post in Neuss ist eine klassische Erfolgsstory von der funktionalen Infrastruktur hin zum pulsierenden kulturellen Herzstück der Stadt.
Das Gebäude an der Neustraße 28 wurde zwischen 1877 und 1879 im Auftrag der kaiserlichen Postverwaltung errichtet.
- Historisches Postgebäude: Das Gebäude wurde ursprünglich als kaiserliches Postamt errichtet. Es besticht durch seine klassische Architektur, die typisch für öffentliche Bauten der späten Kaiserzeit ist.
- Wandlung zum Kulturzentrum: Nach der Stilllegung als Postamt wurde das Gebäude in den späten 1980er Jahren saniert und im Mai 1989 als Kulturforum Alte Post neu eröffnet. Es dient seitdem als städtisches Institut für Kulturarbeit.

Post
Bevor die Alte Post zu einem Kulturzentrum wurde, war sie über ein Jahrhundert lang das logistische Rückgrat der Stadt Neuss. Die Ära als reines Postgebäude lässt sich in drei wesentliche Phasen unterteilen:
Die Ära des Kaiserlichen Postamts (1877–1918)
In der Blütezeit des Deutschen Kaiserreichs reichte die alte Poststation an der Oberstraße nicht mehr aus.
- Bau und Architektur: Zwischen 1877 und 1879 entstand an der Neustraße 28 ein repräsentativer Neubau im Stil der Neorenaissance. Das Gebäude sollte durch seine massiven Backsteinmauern und Sandsteinfassaden die Stabilität und Modernität des staatlichen Postwesens verkörpern.
- Zentrale Drehscheibe: Als „Kaiserliches Postamt I. Klasse“ war es nicht nur für Briefe zuständig. Es beherbergte auch die damals revolutionäre Telegrafenstation, die eine nahezu sofortige Nachrichtenübermittlung ermöglichte.
2. Zwischenkriegszeit und Modernisierung (1918–1945)
In der Weimarer Republik und später unter der Reichspost wurde das Gebäude technisch aufgerüstet.
Kriegseinwirkungen: Wie viele Gebäude in der Neusser Innenstadt blieb auch das Postamt nicht von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs verschont, behielt aber seine Grundstruktur bei und blieb als essentielles Infrastrukturgebäude in Betrieb.
Neue Dienste: Neben dem klassischen Brief- und Paketversand gewann der Postscheckdienst an Bedeutung. Das Gebäude war der Ort, an dem die Neusser ihre Bankgeschäfte am Schalter erledigten.
3. Die Zeit der Deutschen Bundespost (1945–1980er)
Nach dem Krieg übernahm die Deutsche Bundespost das Gebäude und prägte die Identität des Hauses als „die Post“ für Generationen von Neussern.
- Der Postschalter als Treffpunkt: Bis in die 1980er Jahre war die Schalterhalle der zentrale Ort für den Kauf von Briefmarken, die Aufgabe von Telegrammen und die Abholung von Paketen. Wer in der Innenstadt „zur Post“ ging, meinte unweigerlich das Gebäude in der Neustraße.
- Ende einer Ära: Mit der fortschreitenden Technisierung und dem Bedarf an größeren Sortieranlagen (den späteren Briefzentren) stieß das historische Gebäude an seine Kapazitätsgrenzen. In den 1980er Jahren wurde der Postbetrieb schließlich eingestellt, was den Weg für die Sanierung und die Eröffnung als Kulturforum im Jahr 1989 ebnete.
Architektur
Die Architektur der Alten Post in Neuss ist ein herausragendes Beispiel für den repräsentativen Staatsbau der Kaiserzeit. Hier sind die architektonischen Details, die das Gebäude so besonders machen:
Stil und Formsprache
Repräsentative Fassade: Die strenge, symmetrische Gliederung der Fensterreihen und die verzierten Eingangsportale unterstreichen den offiziellen Charakter als ehemaliges „Kaiserliches Postamt“.
Neorenaissance: Das Gebäude wurde zwischen 1877 und 1879 im Stil der Neorenaissance errichtet. Dieser Stil war Ende des 19. Jahrhunderts die erste Wahl für öffentliche Gebäude des Deutschen Kaiserreichs, da er Macht, Ordnung und Beständigkeit ausstrahlen sollte.
Materialität: Markant ist die Kombination aus rotem Backstein und Gliederungselementen aus hellem Sandstein. Diese Kontrastwirkung betont die Fensterbögen, Gesimse und Ecken des Hauses und verleiht der Fassade Tiefe.
Strukturelle Merkmale:
Rundbogenfenster: Typisch für diesen Stil sind die großzügigen Rundbogenfenster, die dem massiven Backsteinbau eine gewisse Leichtigkeit verleihen.
Der Weg zum Kulturforum (1980er Jahre)
Mit der Modernisierung des Postwesens wurde das Gebäude als Betriebsstätte zunehmend unrentabel und schließlich stillgelegt.
- Umnutzung: In den späten 1980er Jahren entschied sich die Stadt Neuss, das historische Juwel nicht verfallen zu lassen, sondern es einer neuen, kulturellen Bestimmung zuzuführen.
- Eröffnung: Im Mai 1989 wurde das Haus nach einer umfangreichen Sanierung als Kulturforum Alte Post neu eröffnet. Es etablierte sich schnell als städtisches Institut für kulturelle Bildung.
Das Konzept der „Drei Säulen“ (seit 1989)
Das Kulturforum baute seine Identität auf drei zentralen Bereichen auf, die bis heute Bestand haben:
- Städtische Galerie: Ein renommierter Ort für zeitgenössische Kunst, der vor allem regionalen Künstlern eine Bühne bietet (z. B. durch die jährliche Ausstellung „Kunst aus Neuss“).
- Schule für Kunst und Theater: Eine Bildungseinrichtung, in der Kinder und Jugendliche professionell in Tanz, Schauspiel und bildender Kunst unterrichtet werden.
- Die Bühne: Ein Programmbereich für Theateraufführungen, Konzerte und Kleinkunst, der oft Produktionen der eigenen Schüler zeigt.
Umfassende Sanierung (2023–2025)
Um das Gebäude für die Zukunft fit zu machen, wurde im Herbst 2023 eine groß angelegte Revitalisierung gestartet.
- Modernisierung: Die Haustechnik (Elektrik, Lüftung) wurde erneuert und die Barrierefreiheit verbessert, indem etwa Toiletten vom Keller ins Erdgeschoss verlegt wurden.
- Wiedereröffnung: Nach einer zweijährigen Umbauphase kehrte das Team im Herbst 2025 in das Gebäude zurück. Die feierliche Wiedereröffnung mit einer Führung durch das modernisierte Haus fand im März 2026 statt.
Kulturforum „Alte Post“
Heute präsentiert sich die Alte Post moderner denn je, mit einem frischen Team unter der Leitung von Lorenz Denks und einem vielfältigen Kursprogramm, das weiterhin eines der wichtigsten Standbeine der Neusser Kulturlandschaft bildet.
